Sandkastenspiele in Sachen Demokratie
Nach der Saisoneröffnung am Freitag, feiert am Samstag «an-gela.de» Premiere
[mitteldeutsche zeitung, 26.09.08]

Hoher Besuch hat sich im Thalia-Theater angekündigt. Merkwürdig nur, dass die Berliner Polit-Promis, die am Samstag Halle beehren werden, davon noch gar nichts wissen. Ist aber nicht so schlimm, schließlich sind wir längst in einem Zeitalter gelandet, das jene einst so unumstößliche Regel relativiert hat, nach der man nicht an zwei Orten zugleich sein konnte - und selbst frau nicht.
Das Stück "an-gela.de", das Samstagnachmittag Premiere hat, handelt nämlich auch ein bisschen von Allgegenwart - von medialer sowohl, wie fiktiver. Denn wie sein Titel schon erahnen lässt, wird sich vieles auch um die Spitzenfigur des gegenwärtigen Regierungspersonals drehen, die sich zur Abwechslung mal mit ihrer Schwester präsentieren darf. Mit der Titelrolle feiert eine junge Schauspielerin in Halle eine Art Comeback, die hier schon mal ein Jahr fest engagiert war - jedoch einen starken Eindruck hinterlassen hat. Effi Rabsilber ist vielen Theaterfreunden noch in Erinnerung, wie sie als eine Art Hausgespenst durch "Das verrückte Kaufhaus" geisterte - eine Inszenierung, die zweifellos zu den Sternstunden des Thalia-Theaters überhaupt zählte. Damals fiel vor allem auch ihr komisches Talent ins Auge.

Dass sie das auch bei "an-gela.de" - zum Beispiel durch äußerst gekonnte stimmliche und mimische Imitation in die Waagschale werfen wird, davon gab sie jüngst bei der Vorstellung des Spielplans schon mal eine eindrucksvolle Kostprobe. Das Stückprojekt "an-gela.de" hat die mittlerweile in Berlin lebende und tätige und auch bei Film und Fernsehen zunehmend erfolgreiche Schauspielerin übrigens zusammen mit Marold Langer-Philippsen entwickelt.

Mit dem Untertitel "Macht Politik" verspricht "an-gela.de" nun eine Mischung aus Szenen und Improvisationen, an denen auch ein Großteil des Thalia-Ensembles mitwirkt. "Und am Ende werden auch die Zuschauer mehr und mehr zu Akteuren", sagt Effi Rabsilber. Sandkastenspiele in Sachen Demokratie dürften den Besuchern also bevorstehen. Ihnen zu vermitteln, dass es "spannend und wichtig" sein kann, gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten, hat man im Thalia im Vorfeld als quasi pädagogische Mission des Projekts formuliert. Theater gegen Politikverdrossenheit also? Man darf gespannt sein.




Wenn es noch Hoffnung gibt, kann sie nur konkret sein  [mitteldeutsche zeitung, 28.09.08]

Und immer geht es um die Hoffnung, abermals. So auch im finalen "Angela.de Macht Politik!" von Marold Langer-Philippsen und Effi Rabsilber. Ein Stück, das sich mit Politik und den Menschen befasst, in deren Namen sie gemacht wird. Und das damit die Grenzen des Theaters absichtsvoll sprengt. Nicht einmal einen Schlussapplaus haben sich die Akteure organisiert. Die Kunst, während des ganzen Spiels schon im heiter-verunsichernden Wechsel mit den Übungen der Demokratie, tritt hinter den Vorhang des wirklichen Welttheaters zurück.

Was auf dem Hof als Stationenspiel mit der maskentragenden Frau Merkel und ihrem halben, dem Volke sich gnädig zuneigenden Kabinett begonnen hat, erfährt dann im Saal allerdings auch ermüdende Längen. Doch aus dem dramaturgischen Hänger wird unvermutet noch ein regelrechter Gipfelgang: Schon im Foyer haben die (köstlich) falschen von der Leyens und Tiefensees das Publikum in Debatten verwickelt. Im Puschkinsaal geht es dann mit echten halleschen Stadträten wie Bernhard Böhnisch (CDU) und Johannes Krause (SPD) zur Sache. Wie gesagt: Die Hoffnung, wenn es sie noch gibt, kann nur konkret sein.  ...





Maskenspiel der Politik 
[salikus.de, 29.09.08]

Effi Rabsilber und Marold Langer-Philippsen inszenierten ein Spiegel-Kabinett der aktuellen Bundesregierung, welches durch die Bundesrepublik tourt und in Halle (Saale) Station macht.

Wer das klassische Gucklochtheater bevorzugt sei vorgewarnt, denn an-gela.de lässt die Zuschauer nicht im Dunkel auf gepolsterten Sesseln ausharren. an-gela.de ist Mitmachtheater im besten Sinn des Wortes.

Politik inszeniert sich selbst

Erste Station sollte der Hof des Thalia Theaters sein, die Ankunft von fünf Bundesministern wurde akribisch in Szene gesetzt und die Geduld des Wahlvolkes, dem Publikum, auf eine harte Probe gestellt. Denn einem Kamerateam schienen die gebotenen Bilder nicht perfekt zu sein und forderten immer und immer wieder einen neuen Versuch. Während der Zeremonienmeister Pillow, gespielt von Marold Langer-Philippsen - zugleich ein Marktschreier der Politik - nach immer wieder neuen telegenen Szenen sucht, machen sich die Bundesminister Ursula (von der Leyhen), Horst (Seehofer), Wolfgang (Tiefensee) und Thomas (de Maizière) am Wahlvolk zu schaffen. Demaskiert und trotzdem mit einer abstoßenden Freundlichkeit nahmen sie routiniert und scheinbar Kontakt zum einfachen Volk auf. Die dann das Publikum unter sich aufteilten und schließlich in Gruppen auf eine Erklärtour mitnahmen. ....